Initiative Afghanisches Hilfswerk e.V.

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Prosa auf Deutsch

Gedichte, Kurzgeschichten und Prosa von afghanischen Künstlern und Dichtern. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Stöbern und Lesen.

In dieser Kategorie finden sich Kurzgeschichten auf Deutsch.



Die Flucht aus Afghanistan

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Die Flucht aus Afghanistan

Es war vier Uhr morgens, als ich mit meinem Mann und meinen drei kleinen Kindern, von denen ich eins noch im Arm trug, unser Haus in Kabul verließ. Bis vier Uhr bestand damals in der Stadt Ausgehverbot. Einerseits musste man so früh wie möglich, noch in der Dämmerung, das Haus verlassen, damit es der Sicherheitsdienst der Regierung in Kabul nicht bemerkt und andererseits konnte man erst ab vier Uhr hinausgehen. Meine letzten Momente in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, waren die schwierigsten. Ich stand im Hof vor der überdachten Treppe, die zur Tür an der Straße führte. Von hier konnte ich das Gebäude, welches meine Vergangenheit, meine glücklichen und unglücklichen Zeiten spiegelte, sehen. Genau diese Treppe trennte meine Vergangenheit von meiner Zukunft. Noch einen Schritt weiter, dann könnte ich nicht mehr zurück. Aber vorerst stand ich für eine Weile dort. Ich betrachtete das hellgrüne Haus, welches in der Dämmerung grau erschien, ließ meine glückliche Kindheit und die Jugendjahre Revue passieren lassen. Ich wanderte in meinen Gedanken durch viele erfüllte Jahre, in denen ich meine Kinder bekommen und sie auch zum Teil hier aufzogen hatte. Ich verabschiedete mich mit flüchtigen Blicken voller Schmerzen vom Haus und dem kleinen Hof, den Äpfelbäumen und der kleinen Fontäne, von jedem einzelnen Stein und Grashalm. Nachdem ich den einsamen Treppengang durchschritten hatte, fuhr ich mit meiner Hand an der kalten, eisernen, blauen Tür entlang und verabschiedete mich von ihr für immer.

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Die Hände

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Im Schein der Sonne, im Lampenlicht, bei der flackernden Flamme des Ofens, starre ich immer wieder auf meine Hände und bilde mir ein, dass meine Finger immer länger werden, wie die Krallen einer Hexe.
Die Falten an den Fingergelenken öffnen sich wie tiefe und finstere Gräber.
Die Adern meiner Handoberfläche wölben sich zu den festen Seilen der Galgen und meine Fingernägel wachsen immer weiter. In diesem Moment umschlingen meine Hände mit großem Druck meinen Hals. Mein Atem bleibt mir in der Kehle stecken und ich gebe Töne von mir wie ein gewürgter Hahn. In dieser Situation kommen die anderen mir zur Hilfe, reißen mir meine Hände von meinem Hals und sagen mit leiser Stimme: "Die Arme ist verrückt geworden."

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Die Liebe zum Wald

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Einst lebte ein Jüngling, der eine tiefe Hingabe zu Tannen hegte. Er liebte die Tannen und den Wald wie seine eigene Seele, die Hochwachsenden waren sein Augenlicht. Die bedingungslose Liebe hatte in ihm wurzelgeschlagen, so dass er sich als ein Teil von ihnen betrachtete. Manchmal erweckte die Zuneigung in ihm das Gefühl, dass der Wald ein Teil seines eigenen Körpers war, mit dem er atmete und gemeinsam aufwuchs. Der Sinn der Zusammengehörigkeit war in ihm so stark, da er dem Wald sein Leben verdankte. Es wird erzählt, dass der Jüngling in seiner Kindheit so schwer erkrankte, dass kein Arzt ihn behandeln konnte. Die letzte Hoffnung war ein Heiler, der aus den Wurzeln einer Tanne eine Medizin für ihn zubereitete, die sein Leben rettete. Die Liebe zum bezaubernden und gewaltigen Wald hob sich empor und bekam kräftige Äste und eine Krone. Der Knabe saß tagtäglich nach dem Unterricht und auch nach der Arbeit am Fuße der Tannen. Er genoss es, diese zu betrachten und teilte mit ihnen seine tiefsten Bedürfnisse und Gedanken. Sein inneres Verlangen wuchs im Laufe der Zeit und die Kraft seiner Arme nahm zu. Seine ganzen Gedanken drehten sich nur noch darum, was er unternehmen könnte, um der Pracht der Tannen gerecht zu werden.

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